Stilvolle Abschiede und scharfe Kritik

Applaus für Thalmann, Rode und Bollow beim Fußball-Kreistag / Henze rügt Gewalt

 

Schwer vorstellbar, was sich Karsten Rode in diesen unzähligen abendlichen Verhandlungen alles an Ausreden und Ausflüchten hat anhören müssen. Doch jetzt trat der engagierte Funktionär nicht wieder für eine weitere Amtsperiode im Sportgericht des Fußballkreises Diepholz an, dem er 33 Jahre lang angehörte, die letzten 21 davon als stellvertretender Vorsitzender.

Aber seine unentgeltliche Arbeit für diesen Sport geht weit über jene Funktion hinaus. So erinnerte Fußballkreis-Chef Andreas Henze während des Kreistags an Rodes unermüdlichen Einsatz für den TV Neuenkirchen. Angesichts dieses Gesamtpakets „verleihen wir dir die höchste Auszeichnung, die der Niedersächsische Fußballverband zu vergeben hat“, erklärte Henze, ehe er ihm die goldene Ehrennadel des NFV überreichte.  

Rodes Abschied bedeutete nicht die einzige Zäsur im Sportgericht, denn Vorsitzender Marcel Thalmann trat ebenfalls nicht zur Wiederwahl an. Henze würdigte dessen „ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden“. Für diese „sehr wertvolle Arbeit“ – seit 2002 als Beisitzer und seit 2009 als „Chef“ – hätte ihm der Kreisvorstand gern eine Ehrung des Deutschen Fußball-Bunds ausgehändigt. Doch das muss warten, denn DFB-Präsident Bernd Neuendorf konnte die entsprechende Urkunde wegen seines Aufenthalts bei der WM in den USA noch nicht unterschreiben.

Die 69 Stimmberechtigten wählten Dennis Hanke zum Sportgerichtsvorsitzenden – wie Thalmann beim TSV Bramstedt aktiv und ebenfalls Schiedsrichter. Der neue Mann darf teils auf bewährte Beisitzer zählen, hat aber auch neue Mitglieder für seine Gruppe gewonnen.

Nach dem Abstimmungsmarathon über die Besetzung des Vorstands und der Ausschüsse (siehe Info-Kasten) nahm der mit 96,4 Prozent wiedergewählte Kreis-Chef Henze eine weitere Verabschiedung vor. Denn auch Werner Bollow, seit 1975 Unparteiischer und seit 1994 Mitglied im Kreisschiedsrichterausschuss, ging in die Funktionärsrente. Der frühere Lehrwart, der zudem zehn Jahre lang diesen Ausschuss geleitet hatte, wurde unter dem Beifall der Delegierten zum Ehrenmitglied des Kreisverbands ernannt. 

Bei allem Bedauern über die fachlichen Verluste zählen derlei Auszeichnungen „zu meinen liebsten Tagesordnungspunkten“, verriet Henze. Andererseits sprach der Bassumer auch Entwicklungen an, „die mit Sorge zu betrachten und nicht zu beschönigen sind“. Es sei „unerträglich, was sich an Gewalt auf unseren Plätzen zuträgt“, ächtete er die Beleidigungen, Bedrohungen und körperlichen Taten. „Noch schlimmer ist es, wenn Personen nicht bereit sind, Entscheidungen zu akzeptieren“ – etwa, wenn Trainer ihre Mannschaft vom Platz nehmen und damit einen Spielabbruch provozieren: „Es ist ein fatales Signal, dass Regeln verhandelbar sind.“ Wer glaube, durch Lautstärke und Eskalation Entscheidungen beeinflussen zu können, „hat die Werte unseres Spiels nicht verstanden“, urteilte Henze.

Doch der Großteil der Aktiven agiert vorbildlich. Als besondere Beispiele würdigte Henze zwei Aktionen mit Sonderpreisen des DFB: Einen erhielt Sophia Schlömp, weil sich die Physiotherapeutin des FC Sulingen im Bezirksliga-Spiel gegen den TuS Sudweyhe besonders um einen schwer verletzten Sudweyher kümmerte. Über ein weiteres Präsent freuten sich die Fußballer des TSV Wetschen II. In der Serie 2024/25 verletzte sich im Spiel der 2. Kreisklasse ein Gegner von AS United, doch dessen Wechselkontingent war erschöpft. Also nahmen die Wetscher ebenfalls einen Mann vom Platz, sodass die Partie jeweils zu zehnt beendet wurde. (Cord Krüger)

Bilder (siehe unten, von Cord Krüger):

Ende einer Ära: Kreissportgerichts-Vorsitzender Marcel Thalmann (l.) und sein Stellvertreter Karsten Rode (2. v. r.) hörten auf eigenen Wunsch auf. Fußballkreis-Vorsitzender Andreas Henze (2. v. l.) und NFV-Vizepräsident Jens Grützmacher (r.) ehrten Rode während des Kreistags am Samstag mit der höchsten Auszeichnung des Landesverbands.

Abschied nach 51 Jahren als Schiedsrichter und Funktionär: Für dieses Engagement wurde Werner Bollow (M.) von Kreis-Boss Andreas Henze (r.) und seinem Stellvertreter Peter Miklis zum Ehrenmitglied ernannt.

Der Vorstand des Fußballkreises Diepholz (v. l.): Daniela Müller, Nico Harzmeiser, Andreas Henze, Dennis Hanke, Ralf Segelhorst, Stefan Siegel, Peter Miklis, Svenja Exner und Heino Dahlskamp. Es fehlen Marcus Peters und Cord Krüger.

Bildgeschichte: Überraschung für Stefan Siegel (M.): Für seinen Einsatz im TuS Sulingen als langjähriger Jugendtrainer und Kassenwart, aber auch für seine Arbeit als Schatzmeister des Fußballkreises sowie als Berater anderer Vereine in steuerrechtlichen Dingen, erhielt der Sulinger beim Diepholzer Fußball-Kreistag vom Kreisehrenamtsbeauftragten Heino Dahlskamp (r.) die limitierte DFB-Uhr. Auch Kreisvorsitzender Andreas Henze (l.) gratulierte.

 

Wahlergebnisse

Kreisvorsitzender: Andreas Henze (241 Ja-Stimmen, 9 Enthaltungen)

Geschäftsführender Vorstand (in Blockwahl, 254 Ja-Stimmen, 4 Enthaltungen): stellvertretender Kreisvorsitzender Peter Miklis, stellvertretender Kreisvorsitzender Cord Krüger, Schatzmeister Stefan Siegel, Schriftführerin Svenja Exner

Ehrenamtsbeauftragter: Heino Dahlskamp (250 Ja-Stimmen, 5 Enthaltungen)

Spielausschuss (251 Ja-Stimmen, 6 Enthaltungen): Ralf Segelhorst (Vors.), Michael Steen, Sonja Spreen, Johann Mügge, Martin Wolle, Michael Preuß

Schiedsrichterausschuss (249 Ja-Stimmen, 4 Enthaltungen): Nico Harzmeier (Vors.), Gerrit Alfken, Leo Heckmann (gleichzeitig Lehrwart), Thomas Meyer, Tim Otto

Ausschuss für Qualifizierung (232 Ja-Stimmen, 26 Enthaltungen): Marcus Peters (Vors.), Anja Hartmann, Svenja Exner, Oliver Bösche, Jan Lehmkuhl

Sportgericht (238 Ja- und fünf Nein-Stimmen, 13 Enthaltungen): Dennis Hanke (Vors.), Carsten Ojus, Nicole Bobrink, Achim Warnke, Friedhelm Drieling, Stefan Ahlers, Michael Lohaus, Helmut Martens, Sven Besenbeck, Thore Heinrich

Jugendausschuss (235 Ja-Stimmen und 21 Enthaltungen): Daniela Müller, Henri Voss, Stephan Bischoff, Jessica Feußahrens, Tobias Hüttich

 

Weyhes Antrag beschäftigt bald Barsinghausen

Nur einen Antrag aus Reihen der Vereine gab‘s während des Fußball-Kreistags. Und das Anliegen des SV Weyhe fand eine Mehrheit von 172 Ja- zu 40 Nein-Stimmen bei 46 Enthaltungen. Also wird der Diepholzer Kreisverband beim Niedersächsischen Fußballverband dafür eintreten, mehreren Frauenmannschaften eines Vereins den Spielbetrieb in derselben Liga zu ermöglichen.

SVW-Delegierter Mario Rösner hatte dem Antrag zur Änderung der Spielordnung wenig hinzuzufügen. Konkret geht es ums Dilemma, dass Weyhes dritte Frauenmannschaft trotz ihrer Kreisliga-Meisterschaft nicht in die Bezirksliga aufsteigen darf, weil dort schon die Zweite spielt. Rösner ergänzte, dass die Dritte sieben Kreisliga-Partien nicht austragen konnte, weil ihre Gegnerinnen nicht angetreten seien. Dass dies aus Furcht vor einer höheren Niederlage als bei einer 0:5-Wertung geschah, wollte Rösner nicht unterstellen. Doch Kim Lessenigs Beobachtungen geben Anlass zu dieser Vermutung: Der Trainer der Frauen von Vizemeister TVE Nordwohlde kritisierte ebenfalls viele Ausfälle dieser Art und forderte „schärfere Sanktionen“ des Nichtantretens durch den Kreis. Henze sicherte zu, dass sich der Spielausschuss mit höheren Geldstrafen befassen werde. (Cord Krüger)


Autor: Cord Krüger